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Schuhmacherei LENZ > Wir über uns > Presseberichte
Frankfurter Rundschau - Printausgabe vom 01.11.2006

Dieser Schuster hat seine Leisten durch Kunst ergänzt

Bahnhofsviertel

Seit 65 Jahren besteht die Schuhmacherei Lenz in der Münchener Straße 36. Krieg und Wirtschaftswunder, Flauten und Aufschwünge hat das Geschäft überstanden. Heute steht Inhaber Wolfgang Lenz (64) vor der größten Herausforderung: Um als Handwerker weiterhin gegen die Massenfertigung bestehen zu können, muss er seinem Betrieb ein klares Image verpassen. „Noch vor meinem Ruhestand möchte ich Zeichen für das Handwerk setzen.“ Die ersten Schritte dazu sind bereits getan: Mit dem Hammermuseum (wir berichteten) hat der Meister vergangenes Jahr im oberen Stockwerk seines Landens Platz für den Künstler Oskar Mahler gemacht, der sich selbst „Stadtteilbildhauer“ getauft hat. Dieser hat nicht lange gefackelt und zunächst das komplette Ladenbild einem Lifting unterzogen. „Regale, Drehgestelle – alles war komplett zugestellt. Als erstes haben wir für Luft gesorgt“, so Mahler. Zur Luminale hat er das große Firmenschild der Schuhmacherei, das jahrzehntelang vor dem Schaufenster hing, entfernen lassen. „Manchmal ist man so an das Bild seines Geschäftes gewöhnt, dass man nicht von selbst auf die Idee solcher Verbesserungen kommt“, so Lenz.

Die Arbeit der beiden zeigt dabei Wirkung nach außen: Seit das Museum vor knapp einem Jahr eröffnet wurde, hat es mehr als 2000 kunstinteressierte Besucher ins Bahnhofsviertel gelockt – mehr Menschen, als dort leben. Und in Verbindung mit dem neuen Ladenbild hat Lenz im vergangenen Jahr seinen Umsatz um satte zwölf Prozent steigern können.

Damit hat sich in dem Meisterbetrieb eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Kunst und Handwerk entwickelt, die sich laut Mahler nicht nur im unmittelbaren Gewinn niederschlagen soll. Modellhaft will er im Laden von Lenz herausarbeiten, was er unter Handwerk versteht: „Unsere Gesellschaft kann auf eine meisterliche Haltung und handwerkliches Denken nicht verzichten.“ 

Damit meint er das Bemühen um ein tiefes Verständnis im Gegensatz zu schnellen Lösungen.

„Dazu gehört beispielsweise stolz zu sein auf die Dinge, die man produziert hat – die eigene Handwerksarbeit als Selbstausdruck der Person.“

Mit diesen Ansichten steht der zum Berater avancierte Künstler nicht alleine. Für die Schuhmacher-Innung, die in der Schuhmacherei Lenz einen Ausbildungsort hat, entwickelte er ein Konzept für die Meisterausbildung. Seit September hält er in den Räumen der Schuhmacherei für den neuen Lehrgang Vorträge zu Thema „Meisterschaft“. „Knapp gesagt geht es mir darum, menschliche und handwerkliche Werte aus dem 19. Jahrhundert ins 21. zu verpflanzen.“ Etwas um seiner selbst Willen gut zu machen und dadurch Befriedigung durch die eigene Arbeit zu erfahren sei die grundlegende Idee. „Natürlich ist das ein Privileg in der heutigen Arbeitsgesellschaft, das die angehenden Meister haben.“

Seit 1941 ist die Schuhmacherei im Besitz der Familie Lenz. In den 1970ern hat Wolfgang Lenz sie übernommen, betrieb über Jahre noch ein zweites Geschäft im Nordend. Das ist inzwischen verkauft. Während seiner Zeit im Bahnhofsviertel habe er die strukturellen Veränderungen des Stadtteils genau beobachten können. „Früher haben die Menschen hier gewohnt, heute arbeiten sie nur noch hier.“ Um den Stadtteil zu gestalten, engagiert sich der Schuster außerdem im Förderverein Bahnhofs- und Gutleutviertel. „Als Handwerker habe ich nicht nur die Verantwortung für meinen Betrieb sondern auch für das Umfeld, in dem ich mich befinde.“

Die Jubiläumsfeier beginnt heute um 15 Uhr im Geschäft in der Münchener Strasse 36 mit dem Anschnitt des Jubiläumskuchens. Anschließend wird Oscar Mahler einen Vortrag über „Handwerkliches Denken als Möglichkeit zur Revitalisierung der Innenstädte“ halten. Infos unter:

http://www.vollderhammer.de


Frankfurter Allgemeine Zeitung - 14. Juli 2005

Namen und Nachrichten

Wolfgang Lenz

Er beherrscht als Schuhmacher eine anspruchsvolle Handwerkskunst und ist derzeit auf der Suche nach einem ebenso ambitionierten, allerdings eher schöngeistigen Künstler. Die Rede ist von Wolfgang Lenz, der einen Schuhladen im Bahnhofsviertel betreibt. Um das Quartier weiter zu beleben, hat sich Lenz dazu entschlossen, einen Teil seines Ladenlokals in der Münchener Straße einem Künstler zur Verfügung zu stellen. Dort könnte auf der geräumigen Empore etwa ein Maler sein Atelier einrichten, Gespräche mit Besuchern führen oder sich einfach bei der Arbeit zusehen lassen, so Lenz.

Sein Engagement kommt nicht von ungefähr: Lenz, der Mitglied der CDU-Fraktion im Ortsbeirat 3 (Nordend) ist, engagiert sich im Förderverein Bahnhofs- und Gutleutviertel, der sich für einen lebendigen Stadtteil einsetzt. Lenz nannte seine Idee ein Beispiel dafür, wie die Bestrebungen der Stadt unterstützt werden könnten, das schwierige Quartier attraktiver zu gestalten. Jetzt fehlt nur noch der kunstschaffende Gast wer interessiert ist, soll einfach die Schuhmacherwerkstatt in der Münchener Straße 36 aufsuchen (beg.)